Ein Tag mit Kratom

Ein Tag mit Kratom

 

Es ist Montag um 06:15 Uhr. Ich kenne Kratom noch nicht. Der Wecker bimmelt und ich drehe mich ächzend zur Seite. Murrend schlage ich nach dem Wecker und treffe stattdessen den Verputz an der Wand, welcher sich damit rächt, dass er mir die Haut von den Fingerknöcheln kratzt. Autsch. Aber immerhin bin ich nun wach. Ich setze mich auf, schalte den Wecker aus und verlasse die wohlige Wärme des Bettes. Schon auf dem Weg ins Bad fällt mir auf was mir heute wieder alles weh tut. Mein Rücken knackst und meine Wirbelsäule protestiert, und mein Magen fühlt sich an als hätte ich Waschmittel getrunken. Ich sehe in den Spiegel und blicke in das grimmige Gesicht eines bärtigen jungen Kerls der genau weiß, dass er nun zur Arbeit muss, obwohl ihm alles weh tut und er jedes Recht hätte in den Krankenstand zu gehen. Die Arbeit im IT-Support ist nun mal nicht das gesündeste, wenn man spürt, dass man sich die Sehnen im Handgelenk entzündet hat. Schon wieder.

 

07:30 Uhr, auf der Arbeit. Die ersten Aufgaben und E-Mails trudeln ein. Einfache Aufgaben die schnell zu lösen sind, die ich aber in dieser Art schon tausendfach gesehen habe. Sie hängen mir zu den Ohren heraus und ich bin direkt genervt. Montag eben. Draußen im Gang fährt die Putzfrau mit einer Bodenpoliturmaschine durch den Gang, ein Gerät, das man viel eher Lärmfabrik 3000 nennen sollte. Es tut mir fast im Schädel weh dieses Geräusch zu ertragen, aber die Putzfrau, nichtsahnend, dreht noch zwei weitere Runden.

Als wäre das nicht genug klingelt das Tagdienst-Telefon. Irgend jemand hat es wieder viel zu laut eingestellt, so, dass sich das Bimmeln anfühlt wie ein Stich ins Hirn. Genervt, obwohl ich erst wenige Minuten hier bin nehme ich den Hörer ab und ertrage das Fluchen und Jammern eines frustrierten Benutzers der seine eigenen Dateien gelöscht hat. Wie löscht man versehentlich die eigenen Dateien?

Ich helfe ihm weiter, und in der Tür meines Büros steht bereits der Nächste und wartet auf Hilfe. Ich weiß, dass ich allen weiterhelfen kann und dass nichts davon weltbewegend dringend ist. Ich weiß, dass es kein Grund sein sollte Verzweiflung zu empfinden. Trotzdem bin ich direkt unendlich frustriert und fühle mich einfach nur überfordert. Es fühlt sich an, als würde die ganze Welt etwas von mir wollen, und als würde es keine Rolle spielen wieviel Arbeit ich erledige – es geht direkt weiter. Wie Treibsand, in dem man nur noch mehr versinkt je mehr man sich bemüht heraus zu kommen. Dabei ist das was ich gerade zu tun habe, rein objektiv betrachtet noch gar nicht wirklich stressig.

Fehlender und schlechter Schlaf, weil mir ständig mein Ellenbogen wehtut und mein linkes Kiefergelenk rund um die Uhr pochende, pulsierende Schmerzen durch meinen Kopf jagt sorgt dafür, dass meine Stresstoleranz gleich Null ist. Jedes bisschen Arbeit und Verpflichtung fühlt sich an wie ein schwerer Sandsack auf meinen Schultern, der jeden Schritt noch schmerzhafter macht als ohnehin. Man weiß bei keinem meiner Probleme, wieso ich es habe und woher die Schmerzen kommen, auch nach 3 Jahren und unzählbaren Arztbesuchen nicht.

Hoffnungen mache ich mir keine mehr, ich versuche nur irgendwie durchzuhalten und nicht verrückt zu werden. Das Telefon bimmelt schonwieder, und die Putzfrau mit ihrem mobilen Lärmbelästigungspanzer hat sich auch entschieden nochmal an meinem Büro vorbei zu walzen. Ich wäge ab, ob ich lieber abnehme und den Anruf beantworte, oder das Telefon gegen die Wand schmettere und einfach mal kräftig schreie, weil mir das alles so gewaltig auf den Sack geht. Ich entscheide mich fürs abnehmen und säusle freundlich unsere übliche Willkommensphrase.

 

12:00 Uhr. Halbzeit. Meine Lippen sind trocken, mein Schädel brummt, und ich habe immer noch zwanzig ungelöste Aufgaben in meinem Postfach. Ich wünsche mir, dass ich endlich nach Hause kann. Früher hätte ich mich auf einen guten Film gefreut, oder auf Sport, oder vielleicht sogar auf ein neues Computerspiel. Heute weiß ich nicht worauf ich mich freuen soll, ich habe keine Energie übrig um mir auszumalen was denn nun Spaß machen könnte. Wieso will ich überhaupt nach Hause? Eigentlich wär‘s am Besten einfach nur zu schlafen, erschöpft wie ich bin, aber darauf habe ich auch keine Lust.

Ich reiße mich zusammen, verdränge den Frust den ich empfinde und versuche irgendwie das Hämmern in meinem Schädel auszublenden und widme mich der nächsten Aufgabe. Gerade als ich anfangen will stürzt mein Rechner ab und das Telefon bimmelt. Es ist dringend, aber ich kann dem Benutzer nicht weiterhelfen, da mein PC sich nicht mehr starten lassen will. Ich bekomme zu hören, wie mies doch unser Support sei.

 

Was für ein schöner Tag.

 

 

 

Der Unterschied

 

Es ist wieder Montag, 06:15 Uhr. Mittlerweile benutze ich seit mehreren Wochen Kratom. Der Wecker klingelt und ich rolle mich ächzend aus dem Bett. Ich bin zwar müde, aber ich fühle mich ausgeschlafen und hatte eine ruhige Nacht. Noch vom Schlaf ziemlich benebelt fallen mir meine Schmerzen nicht direkt auf als ich die ersten Schritte über den noch kalten Holzboden mache. Üblicherweise wäre nun wie jeden Morgen die Gewissheit in mein Hirn gekrochen, dass der Tag nun mit jeder Minute unerträglicher wird, weil die Schmerzen zunehmen.. Heute weiß ich stattdessen, dass es ein guter Tag wird, und ich weiß, dass ich die Schmerzen nur etwa eine Stunde aushalten muss. Das kann ich verkraften, das ist überschaubar.

Ich mache mich bereit für die Arbeit, und kurz bevor ich gehe hole ich meine kleine Gramm-Waage, nehme mein Kuvert mit meinen Kratombeutelchen aus der Schublade und wiege 2 mal 3 Gramm Magic Hippo Kratom ab, die ich in zwei kleine Behälter gebe die ich mir vor einem Jahr für meine Schmerztabletten gekauft hatte. 3 Gramm für den Vormittag, 3 Gramm für den Nachmittag. Es sieht gleich viel beruhigender aus, wenn in den Behältern ein bisschen feines, grünes Pulver ist, statt bunten, großen Tabletten die meinen Verdauungstrakt halb auflösen.

Auf dem Weg zur Arbeit wird mir bewusst, dass ich mich gut fühle. Noch habe ich gar kein Kratom genommen, aber die Angst und Unsicherheit die ich üblicherweise empfinde ist beruhigender Gewissheit gewichen. Gewissheit, dass ich wenn die Schmerzen schlimm werden jederzeit entkommen kann, ohne meine Gesundheit noch mehr zu ruinieren. Ich muss diese Last nicht ertragen, Kratom wird mir helfen. Ich weiß es ist absurd, dass mir diese Pflanze inzwischen vorkommt wie ein guter, aufmunternder Freund, aber es stört mich nicht. So fühlt es sich nunmal an, wenn man etwas hat, das einen auffängt wenn es einem nicht gut geht.

 

07:30 Uhr. Ich beginne meinen Arbeitstag damit, dass ich ein kleines Stück Papier, einen Notizzettel, in der Mitte falte und den Inhalt meines ersten Kratombehälters darauf kippe. Ich klopfe leicht auf das Papier, bis sich das Kratom auf der Falte gut verteilt hat, ehe ich das Papier an meine Lippen führe und den Kopf zurück kippe um mir das Pulver in den Mund zu leeren. Magic Hippo schmeckt nicht gut, aber ist trotzdem einfach zu schlucken. Manche Kratomsorten sind sehr bitter, andere bei Magic Hippo hält sich das in Grenzen. Ich spüle das Pulver mit etwa 250ml Wasser hinunter und spüre direkt, wie das Kratom in meinem Körper zu wirken beginnt.

Das Telefon bimmelt und ich nehme freundlich ab und Erkläre einem Benutzer wie er den Fehler in seinem Dokument behebt. Währenddessen fährt die Putzfrau mit ihrem viel zu lauten Poliergerät wieder vorbei. Es nervt mich noch immer, aber ich habe nicht das Bedürfnis ihr etwas nachzuwerfen.

Mein Chef kommt ins Büro und erklärt mir, dass ich eine Aufgabe die Woche zuvor übersehen habe. Ich sehe meinen Fehler ein, entschuldige mich, und weiß, dass ich das locker nachholen kann, auch wenn ich noch 8 weitere Aufgaben im Postfach habe die auf ihre Erledigung warten. Es hat etwas von einer Herausforderung, dass ich mir spontan vornehme heute alles erledigt zu bekommen, damit ich morgen in aller Ruhe und ein Stück weit gemütlicher anfangen kann. Ich weiß, dass diese verspielte Motivation aus eigentlich lästigen Aufgaben eine spannende Herausforderung zu machen von dem Pulver kommt das ich wenige Minuten zuvor geschluckt habe. Gerade als ich anfangen möchte kommt ein Abteilungskollege in mein Büro und erzählt mir, dass ein Server große Probleme macht. Ich weiß sofort, dass mich das ein paar Stunden kosten wird, und nehme mir vor zwei meiner Aufgaben doch erst morgen zu erledigen, damit sich das ausgeht.

Ich mache mich auf das Serverproblem zu beheben und stelle fest, dass ich die Situation gut im Griff habe. Dass ich normalerweise nun pochenden Schmerz in meinem Kopf hätte habe ich völlig vergessen, ich spüre nämlich gar nichts davon.

12:00 Uhr. Das Serverproblem konnte ich beheben, und dabei sogar noch nebenbei einem Arbeitskollegen erklären, wie er Benutzer in einem unserer neuen Programme erstellt. Das Mittagessen habe ich auch schon hinter mir, und die übliche Mittagsmüdigkeit nach dem Essen bleibt aus – auch ein netter Effekt von Kratom. Zu Beginn hatte ich mich etwas gesorgt, dass es vielleicht ungesund ist nicht müde zu sein, kam dann aber zum Schluss, dass ich ja normal zwar müde wäre, aber ohnehin erst Abends schlafen würde – ich weiß also, dass mein Körper genug Pause bekommt, und nun wo mein Schlaf besser ist kann er sich auch viel besser erholen.

Während ich die nächsten Aufgaben für den Nachmittag beginne denke ich über ein neues Freizeitprojekt nach und habe dutzende Ideen, die ich nebenbei auf meinem Notizblock notiere. Ich bin verdammt motiviert und habe echt gute Stimmung. Am Ende des Arbeitstages habe ich meine eigenen Erwartungen übertroffen, und es sind trotz dem Serverausfall alle Aufgaben gut und gründlich erledigt. Der Hammer!

Zu Hause angekommen gönne ich mir meine zweite Portion Magic Hippo.

 

Was für ein schöner Tag.

 

 

4 Comments

  1. Hallo Bär

    Ich bin froh diese Seite gefunden zu haben und danke dir
    für all die Informationen und den Austausch deiner Erfahrungen.

    Ich würde Kratom sehr gerne meiner Mutter geben. Sie ist jetzt 83 Jahre alt und hat seit vielen Jahren so starke Schmerzen in den Beinen, dass sie das Schmerzmittel Targin (ich glaube die höchste Dosis) mehrmals täglich nehmen muss um den Tag halbwegs zu überstehen. Sie ist schon so oft untersucht und behandelt worden aber kein Arzt und keine Methode konnte ihr wirklich helfen. Verständlicherweise mag sie auch nicht mehr zu anderen Ärzten gehen und ist entmutigt, traurig, enttäuscht usw.. und die starken Medis haben auch schon den Magen kaputt gemacht (und was weiss ich noch alles).
    Jetzt hätte ich an dich einfach die Frage welches Kratom ich ihr am besten zuerst gebe und welche weiteren Kratomsorten in ihrem Fall noch in Frage kommen um immer wechseln zu können?

    Es sollte hauptsächlich schmerzlindernd sein, gefühlmässig etwas aufbauend, positiv wirken und ihr das Gefühl geben das das Leben noch weitergeht und am besten nicht zu stark berauschen sonst gehts vielleicht nach hinten los.

    Ich denke, dass in ihrem Fall Kratom ein letzter Weg ist um ihr zu helfen, deshalb möchte ich bei der Wahl der ersten Sorte und den Alternativen nichts falsch machen.
    Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen!

    Liebe Grüsse
    Volker

    • Hallo Volker,

      entschuldige bitte die späte Antwort, es ging die letzten Tage etwas rund. Was die Sorten angeht mach’ dir darum erstmal keine Sorgen, Kratom wirkt immer schmerzlindernd. Manche Sorten etwas mehr, manche etwas weniger. Bei manchen ist einem der Schmerz schlichtweg “egal” und damit nichtmehr psychisch belastend, bei anderen fühlt es sich angenehm betäubt an, und manche wiederum sind eine Mischung aus beidem. Für den Anfang könntet ihr Bali Kratom in sehr geringer Dosierung ausprobieren, und dann nach und nach etwas höher Dosieren um herauszufinden welche Menge ihr am Besten hilft. Aber Achtung: Bei manchen Menschen kann Kratom etwas den Blutdruck senken, was in Kombination mit ebensolchen Medikamenten vielleicht problematisch werden kann. Bitte daher vorher gut abklären welche Medikamente noch im Körper wirken, und eben möglichst niedrig dosieren.

      Als Ergänzung zum Bali Kratom vielleicht noch ein Green Malay und ein Thai Maeng Da. Damit hättest du drei sehr verschiedene Sorten, und die Chance, dass eine davon helfen könnte ist sehr groß.

      Was bei älteren Menschen noch zum Thema werden könnte ist die Art, wie Kratom konsumiert wird. Die Resultate bei Tee können stark schwankend sein, weswegen ich dir eher zu Kapseln raten würde. Das Pulver zu trinken könnte für eine ältere Person schwierig sein, sowohl vom Geschmack, als auch von der Konsistenz her.

      Liebe Grüße und alles Gute,
      Bär

      • Hi Bär, wie kann ih Dir direkt schreiben, muss ich mich anmelden?

        • Es gibt hier keine Anmeldung. Du kannst mich über die Kommentarfunktion erreichen, oder via E-Mail. Für letzteres muss ich nur wissen, dass es erwünscht ist, und die von dir beim Kommentar hinterlegte E-Mail Adresse korrekt ist, dann schreibe ich dir eine E-Mail.

          schönen Gruß,
          Bär

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